Hans Hartung, Lithographie - L 1976-11Unterwegs triffst du das Ziel.

Die Entscheidung, sich mit Meditation zu beschäftigen, hängt in der Regel mit dem Wunsch zusammen, dass man im Leben etwas ändern möchte. Viele suchen nach einer Möglichkeit einfach da zu sein, mit dem Leben als solchem in Berührung zu kommen.

Hätten Sie gedacht, dass auch ‚Gehen’ Meditation sein kann? Vermutlich nicht. Dabei kann im Grunde alles als Meditation bezeichnet werden, was hilft, dass man achtsam bei dem ist, was gerade (jetzt!) geschieht. Das kann auch mitten in der Fußgängerzone einer Großstadt sein.

Nicht selten sind wir beim Gehen ganz in Gedanken versunken und mit diesem und jenem beschäftigt: mit Sorgen, Problemen, Fantasien ... usw. usf. ... Oft führen wir innnere Gespräche mit uns selbst oder mit anderen oder sind ganz in den Gebrauch von elektronischen Kommunikationsmitteln vertieft, sodass wir die reale Wirklichkeit nur selektiv wahrnehmen.

Wie beim Sitzen in der Stille geht es auch beim meditativen Unterwegssein auf der Straße darum, den Geist aus der Zerstreuung in die Sammlung zu führen. Dabei können wir die Erfahrung machen, dass das „Ich“ sich quasi selbst vergisst und etwas anderes, nennen wir es „ES“, auftaucht. Wir haben dann den Eindruck, dass nicht wir gehen, sondern dass „ES“ in uns und durch uns geht.

Dem Leben in seiner ganzen Fülle zu begegnen, das Leben selbst sprechen zu lassen, mit dem Leben in Einklang zu kommen, darum geht es bei der Meditation auf der Straße, beim Meditieren im Gehen, mitten im Alltag.

Manchmal sollte man es machen wie der biblische Mose und ohne eine konkrete Absicht einfach losgehen, über die Grenzen des Gewohnten hinaus und schauen, wohin es einen zieht und führt. ... Und vielleicht wird man dann eine ähnliche Erfahrung machen wie er und überrascht sein, an Orte zu kommen, wo man auf so etwas wie einen (Seinen) brennenden Dornbusch trifft. Vielleicht wird man dann von etwas berührt, für das zunächst die Worte fehlen und das Menschen mit dem Wort „Gott“ bezeichnen. Vielleicht ist das scheinbar Unmögliche doch möglich ... und man steht plötzlich und unverhofft auf „heiligem Grund“ ... und zieht die Schuhe aus.

Probieren Sie es doch einfach einmal ... mitten in der Stadt, an unterschiedlichen Orten, bei verschiedenen Gelegenheiten ...

 

Mose geriet auf seinen Wanderungen mit der Herde
einmal über die Grassteppe hinaus in die Wüste
und kam an den Berg Gottes, den Horeb.
Da erschien ihm ein Sendbote des Ewigen
in einer brennenden Flamme,
mitten in einem Dornbusch.
Er schaute, und siehe:
Da, der Dornbusch brannte,
aber der Dornbusch verbrannte nicht.
Da sagte sich Mose: „Ich will hingehen und
mir diese seltsame Erscheinung ansehen, -
einen Dornbusch, der nicht verbrennt!“

Da rief ihn Gott an:
„Mose, Mose!“
Der antwortete: „Hier bin ich!“
Er aber fuhr fort:

„Komm nicht näher heran!
Zieh deine Schuhe von deinen Füßen,
denn der Ort, auf dem du stehst,
ist heiliger Boden!“
Ich bin der Gott deines Vaters,
der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs.“

Da verhüllte Mose sein Angesicht,
denn Schauer überkam ihn
in der Gegenwart Gottes. […]

Der Ewige aber sprach:
„Ich werde mit dir sein.“

Exodus 3,1 – 5.10.12

 

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„Auf. Geh in die Stadt,
und du wirst erfahren,
was Du tun sollst.“

Apostelgeschichte 9,6

Hans Hartung, Lithographie - Ohne Titel